Aus der Geschichte Steinbergens
          
(Quelle: mündliche Überlieferungen =
sog. "Oral history" )

  I. Einige Steinberger Histörchen aus den 1940-er
     bis 1990-er Jahren


        - 
Nur wenigen Schülern und Schülerinnen aus Steinbergen gelang vor ca. 1960
           der Sprung zum Gymnasium und noch wenigeren ein Universitätsstudium.
           Einer, ein Eisenbahner-Söhnchen aus dem Unterdorf, wollte gerne Pastor werden.
           Das fand er einen ehrenwerten und vor allem angesehenen Beruf. Um Theologie zu
           studieren, brauchte er ein Attest seines örtlichen Pastors, des gestrengen Steinberger
           Pastors Lohmann, der nie lachte, aber seine Konfirmanden nach Kräften zwiebelte
           und ihnen Angst einjagte, getreu einer lutherischen Verfahrensweise.
           Der brave Junge ging also zu Lohmann und holte sich das theologische Attest.
           Aber da er ein schlaues Kerlchen war, öffnete er den Brief und stellte fest, daß
           der Frömmler Lohmann unfreundlicher aber berechtigter Weise geschrieben hatte,
           er riete von einer Aufnahme des Studienanwärters zum Studium an einer
           theologischen Hochschule ab, da er diesen Aspiranten so gut wie nie in der
           Kirche gesehen hätte. Daraufhin nahm der verhinderte Pastorenanwärter ein
           Studium der Zahnmedizin in Erlangen auf, was er mit solchem Erfolg absolvierte,
           daß er später Dentalprofessor im fernen Asien wurde.

           Der Zahnarzt war auch ein eingeschworener Steinberger Lokalhistoriker
           und machte sich durch die Herausgabe zweier Steinberger Bilderbücher,
           einer Geschichte der hageren Steinberger St. Agnes-Kirche und ihrer passenderen
           historischen Vorgängerin, sowie durch ein dickleibiges Buch über die Geschichte
           Steinbergens, weiterhin durch die Aufstellung von passenden Gedenksteinen
           aus braunem Sandstein sehr verdient um das Dorf.

           Es bleibt zu erwähnen, daß er in seiner Hervorhebung der Bedeutung Steinbergens
           wohl ein wenig zu weit ging. Er lief öfter auf Steinberger Feldern und Wiesen
           herum, stocherte dort auch ein wenig in der Erde und fand auch hin und wieder eine
           Tonscherbe. Beim Hachgrund, auf dem kleinen vorspringenden Geländesporn
           wollte er unbedingt eine ehemalige Burg finden
, was ihm aber nicht gelang.
           Aber ein wenig fanatisch in dieser Hinsicht phantasierte und propagierte er die
           ehemalige Existenz eines dortigen Adelssitzes. Als ob jemand dort, in so exponierter
           und niedriger Lage über der Weseraue und noch dazu auf so kleiner Grundfläche
           sich eine Burg habe bauen lassen!

        - Über eine ehemalige Lehrerin wurde folgendes berichtet: sie, ein reiches Hamburger
          Reeder-Töchterchen
,
bekam als Junglehrerin an einer Schule im Raum Steinbergen
          eine Anstellung. Dort lief ihr ein Steinberger Schurke über den Weg,
          der sie zur Ehe überredete.
          Dann überredete er sie auch noch, ihm die Verfügungsgewalt über ihr Vermögen
          zu bescheinigen. Das gutgläubige Mädchen bewilligte ihm das. Daraufhin lebte er
          auf großem Fuß, erwarb den Pilotenschein und kaufte sich einen Hubschrauber,
          mit dem er dann und wann über seinem Heimatort Steinbergen herumschwebte.
          Daraufhin trennte er sich von seiner so großzügigen Frau. Diese war zutiefst
          verletzt und nahm später eine Lehrerinstelle in Hannover an. Einiges von ihrem
          ererbten Vermögen konnte sie retten, aber einen Großteil erlangte sie von dem
          Steinberger Tunichtgut nicht zurück
. Auch ihr Bruder, ein Jurist, konnte ihr in
          dieser Hinsicht nicht helfen. Das ist Vermögensverteilung auf Steinbergisch!
          Die schändlich von dem elenden Steinberger Halunken hereingelegte Frau
          geriet in eine langjährige tiefe Depression, an der sie fast zerbrochen ist!
          Wir sagen daher auch manchmal: SHG = Schurken Halunken Gauner!

       -  Der ehemalige Steinberger Bahnhofsvorsteher, ein bebrillter Mann, nennen wir ihn
          "Altmann", wohnhaft im Bahnhofsgebäude und ausgestattet mit einer rundlichen blonden
          kleinen Frau, einem Söhnchen, einer blonden Tochter und einem ständig kläffenden
          weissen Spitz, hatte aus Frachtgut im großen Steinberger Güterschuppen auf dem
          Bahnhofsgelände Sachen entwendet. Die Angelegenheit flog auf, und er wurde
          zu einer winzigen Schrankenwärterstelle in Enzen, nahe Stadthagen, versetzt.

       -  Ein sehr bemühter Vater aus dem Unterdorf nicht weit von der Dorflinde spazierte
          an Wochenenden und schönen Sommerabenden immer innig mit seinem Söhnchen
          insbesondere durch das Oberdorf.
In den 1970-ern besahen sich Väterchen und Sohn,
          am Baugelände stehend, öfter den Bau-Fortschritt eines modernen Hauses im Oberdorf.
         
Der Vater, ein kleiner Angestellter, wollte verständlicher Weise, daß sein Söhnlein
          es einmal besser haben sollte. Er hatte ihn zum Gymnasium geschickt und der brave
          Junge machte auch ganz richtig das Abitur. Nun sollte der Sohn studieren und später
          auch ein schickes Haus im Steinberger Oberdorf haben. Aber was studieren?
          Der Vater hatte erfahren, was der Bauherr des gerne beobachteten Hauses studiert
          hatte. Wenn der sich mit seinem Studium und Beruf ein Haus leisten konnte,
          dann würde sein Sohn das auch können. Der Sohn studierte also Volkswirtschaft,
          ging in einen dementsprechenden Beruf, in dem er aber nicht glücklich wurde.
         
Es schickt sich eben nicht alles für jeden! Das Haus im Oberdorf wurde zwar
          gebaut, aber in der Ehe war wohl auch keine Erfüllung für den so behüteten Sohn.
          Er machte Selbstmord
!


       -  Ein braver Gymnasiast aus einem Haus in der Nähe des Steinberger Bahnhofs wurde
          nachts immer durch das schon ziemlich kaninchenhafte Gerammel seines Haus-
          besitzer-Ehepaares
geweckt, was ihn so aufregte, daß er nicht mehr an sich halten
          konnte. Der arme in seiner Kindheit spillerige blasse blöndliche Racker war leider
          unehelich und wechselte später den Nachnamen, als seine blonde Mutter geheiratet
          hatte. Er überwand später seine privaten Benachteiligungen und wurde ein tüchtiger
          Journalist, zuerst mit einem hellen "Buckel-Taunus" in Hannover und später mit mehr
          oder weniger glücklichen Armouren in München und später in der bayrischen Provinz.

       -  Während der Steinberger Fremdenverkehrsjahre gab es natürlich Möglichkeiten
          junge Urlauberinnen liebevoll zu beglücken. Einer, den sie, glaube ich, "Padder"
          nannten, wurde dabei gesehen, wie er morgens in aller Frühe aus dem Fenster
          im Erdgeschoß eines Pensionshauses im Steinberger Oberdorf stieg. Dort hatte er
          einer attraktiven dunkelhaarigen Hamburger Urlauberin eine erotisch angefüllte
          Sommernacht verschafft. Der alte Gottschalk von Steinbergen Nr. 131 hatte ihn
          morgens gegen halb fünf gesehen, als dieser seine Milchkanne nach unten zur
          Landstraße trug, wo sie der Wagen der Rehrener Molkerei immer abholte.

       -  Es gab zwei sehr befreundete Steinberger Ehepaare. Sie waren "ein ganz dickes Ei",
          wie man in Steinbergen sagt. Der eine Ehemann war ein leidlich erfolgreicher
          Geschäftsmann, nennen wir ihn einmal "Holzmann", der andere, nennen wir ihn
          einmal "Eisenmann", besaß einen handwerklichen Betrieb.
          Nun fand der Holzmann die Frau des Eisenmannes recht anziehend. Die Frau
          des Eisenmannes war nicht abgeneigt und die beiden trafen sich heimlich.
          Wie es der Zufall will, wurden sie gesehen, wie sie sich auf einem Rastplatz
          der Autobahn im Bielefelder Raum im Mercedes des Holzmannes vergnügten.
          Wären sie nur nicht zufällig entdeckt worden. Denn dann hätte das Liebesglück
          womöglich noch lange weiter gewährt. Schade! Da das Liebesverhältnis nun
          bekannt wurde, platzte das "dicke Ei" und es entstand leider Feindschaft.
          Und wie das so bei den Steinbergern ist, wurde davon im Dorfe erzählt
          und so auch mir.

      -   Fremdgehen ist bekanntermaßen bei Männern und Frauen ein belieber Sport.
          So lebten vor rund 50 Jahren an der Peripherie Rintelns nicht weit von
          Todenmann und dem Waldrand des Wesergebirges zwei, die auch gerne
          diesen Sport eine zeitlang trieben. Sie, attraktiv und hübsch blond, nennen wir
          sie Frau E., hatte als Rintelner Geschäftstochter einen Sohn einer bekannten
          wohlhabenden Rintelner Unternehmerfamilie geheiratet. Er, ihr Liebhaber
          Herr D., Sohn einer Rintelner Arztfamilie, war in Rinteln Taxifahrer.
          Als die beiden wieder einmal der heimlichen Liebe oblagen, kam der
          Ehemann plötzlich gänzlich unerwartet von seinen Unternehmungen zurück
          und überraschte die beiden Liebenden im ehelichen Schlafzimmer
.
          Das war schade und begann sich mit tragischer Note zu entwickeln.
          Der wütende Ehemann nahm seine Jagdflinte und trieb die beiden
          nur leicht Bekleideten vor sich her auf den Todenmänner Waldrand zu,
          mit der Drohgebärde, die beiden Liebenden im Wald zu erschiessen.
          Glücklicherweise unterließ er dann aber seinen nicht wiedergutzumachenden Plan.

          Die Aktion war nicht ganz unbeobachtet abgelaufen und um Verzeihen und
          erneute eheliche Einigkeit vor der Öffentlichkeit zu demonstrieren
sah man
          am folgenden Tag, die Eheleute Hand in Hand bei einem Sonntagsspaziergang
          die Rintelner Weserstrasse auf und ab gehen.

      -   Folgendes wurde über einen Justizirrtum in Rinteln berichtet:
          Gegen Ende der Kriegsjahre kamen viele in den Großstädten Ausgebombte
          und Evakuierte in die hiesige Gegend. So kam auch die blonde Käthe K.,
          eine drahtige mittelgroße, redselige Hausfrau und Mutter, mit ihren zwei
          Kindern nach hier.
Sie war verheiratet mit dem Sohn des Dorfschmieds
          in Engern. Sie hatte den Offizier in Berlin kennengelernt, und dessen Herkunft
          aus Engern mit seinen dortigen Verwandten hatten sie bewogen, nach
          Engern zu kommen
.
          Käthe fand durch Vermittlung ihrer angeheirateten Verwandten
          Unterkunft am oberen Rande von Engern, wo am Fahrweg zum Brinkhof
          ein längliches Behelfsheim stand, schräg gegenüber der ehemaligen,
          jetzt abgerissenen, Brauerei Theodor Neu ("Rintelner Bier").
          Käthe war bei der weitläufigen Sippe ihrer Anverwandten bekannt
          als eine Frau, die gerissen "kungelte"
, also die geschäftstüchtig über die Dörfer
          zog, um Tauschgeschäfte zu machen(wahrscheinlich meist Wertsachen gegen
          Essbares). Man machte sich über diese Art lustig, weil sie das mit "Berliner
          Schnauze" wohl recht erfolgreich bewerkstelligte, wessen Käthe sich auch
          noch bei den Verwandten rühmte. Also beschloß man nach einer Spötterei
          im Verwandtenkreis an einem Herbstabend im Jahre 1946 (oder 1947)
          die Käthe mit einem ironischen anonymen Brief ein wenig auf den Arm
          zu nehmen. Ein Onkel brachte dann mit seinem Neffen diesen Schabernack 
          am dunklen Abend zu dem Haus, in dem Käthe wohnte, und befestigte ihn
          an der rückwärtigen Haustür des besagten Behelfsheims.
          Auf der anderen Seite des 2-Familienhauses hatte eine andere Familie
          ihre Eingangstür.
          Käthe bekam den spöttischen Brief leider in die falsche Kehle, in dieser
          Hinsicht verstand sie offenbar keinen Spaß. Sie verdächtigte ihren Nachbarn
          im anderen Gebäudeteil, den Brief geschrieben zu haben und verklagte
          ihn beim Rintelner Amtsgericht. Und tatsächlich wurde der bedauerns-
          werte unschuldige Nachbar P. leider vom Amtsrichter schuldig gesprochen
          und bestraft. Ein eklatantes Fehlurteil also, ein Justizirrtum!
          Die Anverwandten schwiegen bedauerlicherweise über diesen Vorfall,
          sie wollten keinen Unfrieden in ihrerer Sippe. Aus sträflicher Feigheit
          machten sie sich daher schuldig an dem unschuldig Verurteilten.

          Das weitere Schicksal der Käthe K. verflüchtigte sich unbestimmt
          im Dunkel der Geschichte der Nachkriegsjahre, vielleicht ging
          sie später nach Berlin zurück. Ihr Bruder, ein Berliner Studienrat,
          war auch nach Rinteln gekommen, wo er viele Jahre als Sport-
          und Mathematik-Lehrer am "Gymnasium Ernestinum" arbeitete.    


II. Steinbergen in der Geschichte,
     besonders während der Kriegsjahre
    1939 - 1945 und in der Nachkriegszeit

-   Im 30-jährigen Krieg mußte Steinbergen sehr leiden, denn es wurde häufig
    geplündert, da es am Arensburger Paß liegt, worüber die Heerstraße ins
    Wesertal verlief.

-   In der Nazizeit/im 2. Weltkrieg war es wie überall in Deutschland,
    es gab in Steinbergen:

                    
-    Nazis in Uniform und ohne

                     -    das blödsinnige "Heil Hitler" mit schräg hoch gestrecktem Arm,
                          als vorgeschriebener Gruß(als Ersatz für "Tach"), wenn man
                          eintrat oder jemandem begegnete(vor allem Parteibonzen)

                    
-    die Hitlerjugend mit militärischen Geländespielen, Mutproben, Aufmärschen usw.
                         
                          Es gab zwei Gruppen: 1. das Jungvolk(=Kinder) und 2. die eigentliche
                          Hitlerjugend(= Jugendliche). Mitzumachen war praktisch Pflicht, und zwar
                          beim Jungvolk ab 10 Jahren. In die eigentliche Hitlerjugend kam man dann
                          ab einem Alter von 14-15 Jahren. Es wurden von beiden braune Hemden,
                          schwarze kurze Hosen und Koppel usw. getragen, auch "Ehrendolche".
                          Da gab es Dienstgrade wie z.B. "Jungbannführer", "Rottenführer" usw.
                         
Und kleine Ehrgeizlinge machten sich wichtig als Hitlerjugend-Anführer
                          und -Befehleerteiler.
Disziplin, "Antreten in Reih und Glied" und Stramm-
                          stehen auf dem Steinberger Schulhof waren angesagt.
                         
                          Bis 11 im Bett zu liegen, auf der Straße herumzulungern,
                          sich äußerlich gehen zu lassen, sich zu besaufen, unhöflich zu sein,
                          die Klappe groß aufzureissen als Schüler, Passanten in den Großstädten
                          anzupöbeln oder anzugreifen wie heute, das hätte da mal einer wagen sollen!
                          Was sie mit dem gemacht hätten, das hätte sich aber gewaschen gehabt.
                          Und das lächerliche heutige Pisa-Gemähre war damals total überflüssig.
                          Natürlich kann man sich eine so starke Disziplinierung und den Zwang
                          zum Mitmachen nicht zurückwünschen, aber mehr Höflichkeit, Rücksicht-
                          nahme und Anstand müßte man auch heute von der Jugend fordern.

                          Die verweichlichten Menschen der ab etwa 1960 Geborenen, die weder die
                          schwere gefahrvolle Kriegszeit und Vertreibung mitgemacht haben noch die
                          elenden ersten Nachkriegsjahre, die im Gegenteil in Saus und Braus aufgewachsen
                          sind, aber heute das große Wort führen, bei jedem Zehntelprozent Erhöhung
                          des Sozialversicherungsbeitrags ein großes Geschrei machen, und den Rentnern,
                          die unter Mühen und Entbehrungen erarbeitete Rente mißgönnen, haben
                          null Ahnung und nicht die moralische Legitimation um zu urteilen.
                          Das Wohlleben dieser jungen Generation fußt auf den Entbehrungen und
                          der Arbeit der Alten, daher muß man dem oberflächlichem Anspruchsgehabe
                          dieser Jungen entschieden entgegentreten.
                         

                     -    ein Hitlerbild an der Wand gab es in jedem Klassenraum

                     -    Reden der fanatischen Nazi-Schreihälse Hitler und Goebbels
                          aus dem kleinen schwarzen "Volksempfänger":

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                                         Ein "Volksempfänger" aus der Kriegszeit                   

                     -    Heimliches streng verbotenes Hören der Sendungen auf deutsch
                          von "Radio London". Die Großmutter tat das!

                    
-    Schulklassen, die im Wald des Fuchsorts Wurzelstöcke
                          von Farnbüscheln des "Wurmfarn" sammeln mußten(für die
                          Herstellung von Heilmitteln gegen Madenwürmer)

                      -   Schüler bekamen vom Lehrer je eine Seidenraupe ausgehän-
                          digt, die sie in einer Schachtel zuhause mit Maulbeerblättern
                          füttern mußten, bis sich die Raupe in einem Seidenkokon
                          eingesponnen hatte. Danach wurde die Raupe durch ein
                          heißes Wasserbad getötet. Das Seidenfadengespinst sollte dann
                          für die Herstellung von "Fallschirmseide" verwendet werden
                          Auf dem Steinberger Schulhof standen damals an der
                          Mauer zur Beekebreite hin einige Maulbeerbäume!.

                      -    es war verbreitet, daß Schuljungen lange Strümpfe trugen, die
                           mit "Strumpfbänder"(Strapsen) am "Leibchen"(eine Art weißes
                           Unterjäckchen) befestigt waren. Für Jungen gab es auch Matrosen-
                           anzüge, die entweder gelbweiß(sommerlich) mit blaugestreiftem
                           großen Kragen waren oder als dunkelblaue Matrosenanzüge mit
                           einem großen weißgestreiftem Kragen

                     
-    Sammlungen für das Winterhilfswerk, einer sozialen Einrichtung
                           für die "Wohlfahrt", was heutzutage "Sozialhilfe" heißt.

                      -   die Frauen strickten, aufgefordert durch die Agitatoren des Regimes,
                          "Pulswärmer für unsere Soldaten im Osten"

                      -    Heinz Rühmann im Film "Quax, der Bruchpilot" im zum
                           Kino umfunktionierten Tanzsaal des Hotel und Gasthaus
                           zur Linde ; dazu gab es die "Ufa-Wochenschau" mit markigen
                           deutschen Siegesmeldungen von der Front zu sehen
                    
                     
-    Abholen der jüdischen Familie, Löwenstein, eine der wenigen
                           Steinberger jüdischen Familien, 1942 zur Vernichtung

                      -    Furchtsames Getuschel der Dorfleute darüber

                      -    Hauserwerb auf nationalsozialistisch "für 'nen Appel und 'nen Ei"                 

                      -   Einquartierung von Angestellten der Focke Wulf-Flugzeugwerke
                          in Bad Eilsen mit ihren Familien in den Steinberger Hotels und
                          Pensionshäusern                    
                                        
                      -   Ein KZ-Aussenlager in der "Zehntscheune" der Arensburg und viele
                          getötete Häftlinge(Polen, Ukrainer, Russen u.a.) im Steinbruch "SSS"
                          am Messingberg(= heute sog. "Freizeit- und Erlebnispark Steinzeichen")

                      -   brutale Halunken und Menschenschinder, wie den Aufseher
                          aus dem Steinberger Steinbruch, der sich abends in der Kneipe
                          in Engern damit brüstete, daß er heute wieder einen der Gefangenen
                          "kaltgemacht" habe

                      -  Parteigenossen(NSDAP-Nazis) in brauner oder schwarzer Uniform

                      -  Gestapo-Leute(die gefürchtete Geheime Staatspolizei, die einen auf
                         Nimmerwiedersehen abholen konnte, wenn man etwas gegen die Nazis
                         oder den Krieg sagte oder ausländische Radiosender hörte).
                         Einer davon -   in der kühlen Jahreszeit trug er immer einen
                         knöchellangen grünlichgrauen Gestapomantel(Glattledermantel)  -
                         wohnte an der Rintelner Straße 10, Ecke der Straße "Am Kehlbrink",
                         schräg
gegenüber dem Sonnenstudio.
 
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                                                            Ein Gestapomantel
 
                         Er stolzierte oft mit einem großen britischen Marine-Fernglas auf der Brust
                         herum. Dieses versteckte er vor Kriegende oben in einer Tanne des kleinen
                         Wäldchens, das damals rechts vom Berghotel stand (wo jetzt das Sonnen-
                         studio ist). Das Fernglas wurde in der britischen Besatzungszeit von einem
                         kleinen Jungen entdeckt und heimlich sichergestellt. Er holte es vom Baum
                         herab, und seine Mutter mußte es in einer Einkaufstasche versteckt nach
                         Hause tragen, damit die Engländer nichts sahen(im Berghotel waren viele
                         Soldaten und auch in verschiedenen Häusern im oberen Teil Steinbergens):
                          
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                                            Britisches Marine-Beuteglas(ca. 25 cm lang)


                         Im Haus daneben, Rintelner Straße 8 / Ecke der Straße "Am Kehlbrink",
                         wohnte übrigens bis in die 1950-er Jahre der Dorfpolizist.
                         Heute gibt es keinen Dorfpolizisten mehr, die Steinberger sind nämlich
                         brav und lammfromm.
                                   
                      -  den Ortsbauernführer Miede, in schwarzer Uniform(Schaftstiefel,
                         Armbinde usw.)                   

                      -  befohlenes Kartoffelkäfersuchen für alle, die auf den Beinen waren.
                         Der Versammlungsort dafür war in dem breiten Wegdurchlass zwischen
                         dem heutigen Steinberger Schlachtergeschäft, damals das Hausgrundstück
                         des
Steinberger Dichters Hermann Schütte und dem ehmaligen Löwensteinschen
                         Haus an der Bückeburger Str.(der Weg wurde in den 1960-er Jahren geschlossen).                       

                      -  die Aufforderung zu solchen Aktionen  -  und überhaupt alle für
                         die Steinberger Einwohner wichtigen Mitteilungen wurden vom
                         Gemeindediener bekanntgemacht. Der lief durch alle Straßen
                         und alle paar Hundert Meter bimmelte er ca. eine halbe Minute
                         mit einer großen durchdringenden Glocke. Alle Leute öffneten
                         dann die Fenster oder kamen auf die Straße um zuzuhören, was
                         der Ausrufer an amtlichen Mitteilungen zu verkünden hatte.
                         Der schrie dann laut "Bekanntmachung" und las mit lauter Stimme
                         von seinem Blatt die Meldungen vor.

                      -  Die Bürgermeister des Dorfes während der Nazizeit und bis zum
                         Ende des Krieges waren Hermann Schütte(Dorfpoet) und später
                         Lehrer Lorenz. Beide waren natürlich Parteigenossen der NSDAP.
                         Nach dem Kriege mußte sich der Dorfschullehrer Lorenz dem soge-
                         nannten Entnazifizierungsverfahren der Westalliierten unterziehen,
                         also einer gewissen Umerziehung vom Nationalsozialismus.
                         Die britischen Besatzungstruppen setzten 1945 Albert Meier, einen
                         kommunistischen Arbeiter als Bürgermeister ein. Später, als es
                         Komunalwahlen gab, wurde Bäckermeister Beckmann(CDU) Bürgermeister
                         und im Verlauf der weiteren Jahre wurde dann mehrmals der Bauer
                         Prasuhn(CDU) zum Bürgermeister gewählt. Bis dann jahrelang
                         Steinbergen bis heute der unsozialen SPD anheimfiel.
                        
                      -  Nach dem Kriege war der beleibte Herr Lorenz der Leiter des Verkehrsbüros
                         auf dem Steinberger Bahnhof für die "Kurgäste", die ja eigentlich besser
                         als Sommergäste zu bezeichnen waren, denn Kuren wurden in
                         Steinbergen nie verabreicht. Er vermittelte Zimmer für ankommende
                         Gäste, zog von den Pensionen und Hotels die Kurtaxe für die Gäste
                         ein und war allgemein für den Fremdenverkehr zuständig.
                         Sein Büro war im weißgelben ersten Kiosk nach der Wellblechbude
                         für die Gepäckaufbewahrung des Bahnhofs. Alles lange verschwunden!

                     -   Lorenz war gleichzeitig einer der drei Volksschullehrer des Dorfes.
                         Die beiden anderen Lehrer waren:  Herr Spier. Spier war ebenfalls
                         NSDAP-Mitglied, er wohnte an der jetzigen Straße "Am Kehlbrink"
                         im Oberdorf(zu seiner Zeit konnte man nicht von einer Straße sprechen,
                         es war ein Weg, der "Grasweg" genannt wurde). 
                         Der dritte Lehrer war Herr Heine  -  ein schmächtiges Männlein  -
                         der selbst nach dem Kriege noch Schüler, die nach seiner Meinung
                         störend oder ungezogen waren, mit dem Rohrstock auf den Po
                         prügelte. Dazu mußten sich die Schüler zu seiner größeren
                         Bequemlichkeit vor ihm bücken. Um 1950 herum wurde der alt-
                         gewordene Lehrer Heine durch den jüngeren Lehrer Neuser ersetzt.                                 
                                     
                      -  Luftschutz-Warnmeldungen aus dem Radio, wenn Bomben-
                         flugzeuge der Briten oder Amerikaner im Anflug waren.

                      -  Abzählreim der Kinder, in dem sie die Luftschutzwarnungen
                         aus dem Radio nachmachten:

                                                   Achtung! Achtung!*
                                                   Ende, Ende!
                                                   Über Aachen ziehn Verbände.
                                                   Über Duisburg schießt die Flak,
                                                   Und du bist ab.
                                                   
                                                   * Alle Luftschutzwarnmeldungen begannen
                                                                   mit den Worten "Achtung, Achtung!"

                                                   

                      -  Überflüge von britischen u. amerikanischen Bomberverbänden

                     
-  Abends Verdunkelung der Fenster mit schwarzen Papierrolleaus,
                         damit die Flieger nichts sehen sollten


                      -   in der Dunkelheit fingerten dann die Strahlen der Suchscheinwerfer
                          der Flugabwehr(Flakstellungen, Flak = Flugabwehrkanone
, aus der
                          Gegend näher auf Hannover zu, hoch über dem Messingberg am
                          Himmel herum, wenn Bomber im Anflug auf Hannover waren
                         
                      -   von deutschen Jagdflugzeugen abgeschossene Bomber, z.B. beim Neelhof
                          in der Weserniederung

                      -   Büschel von silbrigen Stanniolfäden auf den Feldern (Abwurf aus
                          feindlichen Flugzeugen zwecks Verwirrung deutschen Radars)

                     -    Lebensmittelmarken wegen der Rationierung der Konsumartikel:

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                                           Lebensmittelmarken aus der Zeit des 2.Weltkriegs


                     -    Bezugsscheine für Schuhe und Textilien
                    
                     -    ekelhaftes Maisbrot nach 1945, weil deutsche Politiker den Amerikanern gesagt hatten,
                          die Bevölkerung brauche Korn, um nicht zu verhungern. "Corn" ist aber das amerikanische
                          Wort für "Mais"!

                     -    wenig Fett und Fleisch

                     -    Magermilch, die in Milchkannen aus dem kleinen Milchgeschäft
                          der Frau Redeker in der Beekebreite Nr. 15(erstes Haus von
                          unten rechts) geholt wurde; im backsteinroten Hinterhaus war
                          die Schlachterei Ossenkopp.

                     -    alle möglichen Ersatzstoffe(z.B. merkwürdigen rötlichen "Zahnstein"
                          anstelle von Zahnpasta)

                     -    verbotene heimliche sog. "Schwarzschlachtungen" von Schweinen
                          durch die Bauern.
                          
                     -    Hausschweinehaltung und -schlachtung gab es verbreitet
                          bis in die 1950-er Jahre im Dorf.

                          "Auf der Siedlung"(sie heißt heute "Bergstrasse") gab es nach
                          der Bäckerei und Café Beckmann(Eckhaus unten rechts an der B83)
                          eine Familie, die eine Maschine besaß, die gegen Gebühr Dosen
                          mit Wurst von Geschlachtetem für die Dorfbewohner zumachte.
                          Es war wahrscheinlich im Keller des zweiten Haus rechts nach
                          Bäckerei Beckmann. Gegenüber von Beckmann war über eine
                          Steintreppe von der heutigen Bergstrasse erreichbar das kleine
                          Postbüro des Herrn Hansing.

                     -    verbotenerweise wurde auch Schnaps gebrannt, aus Zuckerrüben-
                          schnitzeln

                     -    Tabak, Zigaretten waren sehr rar, also zogen die Steinberger
                           zweimeterhohe Tabakpflanzen in ihren Gärten, manche hatten
                           dort umfangreiche Tabakpflanzungen                        
                       
                    
-    Bucheckernsuchen im Herbst(dafür erhielt man Speiseöl); das wurde
                          auch in den ersten ersten Nachkriegsjahren noch gemacht, auch das
                          Waldhimbeeren-Suchen

                     -    die Wälder waren leergesucht nach Brennholz bis auf den letzten
                          trockenen Ast, in den ersten Nachkriegsjahren wurden sogar die
                          "Stubben" gefallener Bäume genutzt, manchmal wurden sie sogar
                          mit Sprengstoff zu Brennholz zerkleinert
                    

                    
-   "Kohlenklau"-Plakate:

                                        
                                   Kohlenklau-Plakat gegen Energieverschwendung                                                          

                                        Da ist er wieder!

                                       
Der Text auf dem Plakat lautet:
                                                                  Sein Magen knurrt, sein Sack ist leer,
                                                                  und gierig schnüffelt er umher.
                                                                  An Ofen, Herd, an Hahn und Topf,
                                                                  an Fenster, Tür und Schalterknopf
                                                                  holt er mit List, was Ihr versaut.
                                                                  Die Rüstung ist damit beklaut,
                                                                  die auch Dein bißchen nötig hat,
                                                                  das er jetzt sucht in Land und Stadt.
                                                                                       Fasst ihn!
                                                                  In den Zeitungen steht mehr über ihn!                   
                     -    LKWs mit Holzvergaser(= ein großer tonnenförmiger Holzofen an der
                          Seite) als Antrieb, da Benzin stark rationiert war.

                     -    Kurz vor Kriegsende wurden die großen Silos am Rintelner Hafen
                          an der Eisberger Straße von der Bevölkerung geplündert. Dort sah
                          man Leute mit Handwagen, Pferdewagen und sogar mit einspännigen
                          Kuhwagen vorfahren. Die Holzkisten mit Konserven wurden zum Teil
                          aus den Silofenstern auf den Hof geworfen. Die Fleischkoserven waren
                          bald weg. Dann gab es nur noch Kisten mit z.B. Kohl- und besonders
                          Selleriekonserven und viele Leute mußten enttäuscht abziehen. Berühmt
                          waren die Plünderungen der Silos in Berenbusch am Mittellandkanal
                          nordwestlich von Bückeburg, die noch reicheren Inhalt hatten als die
                          Silos in Rinteln


                     -    Die alten Männer Steinbergens, die nicht zur Wehrmacht eingezogen waren,
                          mußten unter Leitung des Steinberger Försters Reinhard, Anfang 1945
                          am Westhang der Hirschkuppe viele Fichten fällen und diese zu über 2 m
                          langen Stücken zersägen. Daraus wurden drei massive Panzersperren gebaut,
                          eine im Fuchsort an der alten B 238 Richtung Rinteln, eine zweite im Arensburger
                          Paß an der B 83 Richtung Bückeburg( ca. 300 m von der Autobahnbrücke in
                          Richtung Steinbergen der B 83) und eine an der Straße nach Obernkirchen
                          und ins Auetal.

                     -    Auf dem Waldhügel schräg gegenüber dem Gasthaus "Grafensteinerhöh"
                          (damals nur mit etwas über hüfthohen Buchensträuchern bewachsen!) und
                          oberhalb, bergwärts der Panzersperre im Fuchsort, mußten die alten Steinberger
                          Männer Schützenlöcher graben(bei genauem Hinsehen ist dort noch das eine
                          oder andere Schützenloch im heutigen Hochwald erkennbar
!).
                          Diese wegen ihres fortgeschrittenen Alters(55 und älter!) nicht zur Wehrmacht
                          eingezogenen Männer waren im sogenannten Volkssturm zusammengefaßt.
                          Sie trugen keine Uniform sondern nur Armbinden! Diese Volkssturmmänner,
                          hatte man mit Karabinern und Panzerfäusten ausgerüstet und kommandierte
                          sie in die von ihnen ausgehobenen Schützenlöcher. Wenn die amerikanischen
                          Truppen sich über die alte B 238 von Rinteln her näherten, sollten sie also
                          die Ortseinfahrt nach Steinbergen verteidigen. Einige Wehrmachtssoldaten waren
                          auch dabei. Später, als die Amerikaner sich näherten, war aber keiner der
                          "Kämpfer" mehr da. Auch an der Panzersperre auf der B 238 unten im Talgrund
                          des Fuchsort mußte nicht verteidigt werden. Auch dort gab es Schützenlöcher!
                          Die weggeworfenen Panzerfäuste zum Abschuß der Panzer lagen unbenutzt
                          im Wald herum und wurden später von Dorfkindern neugierig untersucht.

                          Bei der anderen Panzersperre, die im Arensburger Pass, wurden
                          mehrere amerikanische Panzer durch fanatische junge SS-Soldaten mit
                          Panzerfäusten abgeschossen. Dieser Paß durch das Wesergebirge sollte
                          mit aller Macht verteidigt werden. Dort wurde noch gekämpft, während
                          Bad Eilsen schon längst durch die Amerikaner besetzt war.
                          Am Hang der Hirschkuppe gab es schwere Kämpfe und viele tote deutsche
                          -  25 sind bekannt  -  und eine unbekannte Zahl tote amerikanische Soldaten.
                          Der amerikanische Ortskommandant ordnete an, daß die alten Männer
                          aus dem Dorf die Leichen aus dem Wald der Hirschkuppe abtransportierten!

               
                     -   Artilleriebeschuß und Bombardements durch die Amerikaner am 9. und 10.
                         April 1945. Mehrere Häuser in Steinbergen wurden durch Granatbeschuß zerstört
                         oder brannten ab. Es gab sieben tote Zivilisten. Einer Bokeloh-Tochter: Astrid,
                         an der Rintelner Str. 13  in Steinbergen wurde als Kleinkind ein Bein durch Granat-
                         splitter abgeschossen, als der Vater es zum Pipimachen hielt, draußen an der West-
                         seite des Hauses. Das arme Kind mußte später eine Holzbein-Prothese tragen.

                      -  Zerstört wurden folgende Gebäude: Das alte Gasthaus und Hotel "Zur Linde" mit
                         dem großen angebauten Tanz- und Kinosaal(zur Hamelner Straße hin gelegen!)
                         wurde total zerstört. Ebenfalls total zerstört wurden der große Bauernhof Steinmeier
                         (südlich hinter dem Gasthaus "Zur Linde" gelegen), das alte Bauernhaus von
                         Ferdinand Gottschalk
in der Bachstraße 4 sowie Miedes Haus in der Lindenstraße
                         neben dem damals noch nicht vorhandenen Kino "Metropol". Stark zerstört wurde
                         Nonnenbergs Haus, das 3. Haus rechts von unten in der Straße "Beekebreite".
                         Frau Nonnenberg starb dabei, obwohl sie sich wie die meisten Steinberger im Keller aufhielt.

                         Diese Zerstörungen durch die Amerikaner waren blödsinnig und verfehlten
                         ihren Zweck, denn die hartnäckigen jungen Verteidiger saßen nicht im Dorf
                         sondern am Arensburger Paß und in Krömers Hotel. Aber die US-Kanoniere
                         dachten wohl, man  immer feste druff in die Gegend, egal wen es trifft,
                         es sind ja alles deutsche Feinde!
                         So trafen die Zerstörungen nur die Steinberger Zivilbevölkerung!

                         An dem schönen Tag, als "Die Linde" abbrannte, war die Luft selbst im Bereich der
                         Pensionshäuser im Oberdorf(heute die Straßen "Sonnenbrink", "An der Hirschkuppe",
                         "Am Kehlbrink" umfassend) erfüllt von herniederschwebenden verbrannten Papierfetzen;
                         offenbar hatten in "Der Linde" Unmengen von Akten gelagert, in Brand gebombt!
              
                         Das Möllersche Ackerland(Bauer Möller an der heutigen Straße "Lindenbreite"
                         links, gegenüber dem Bauernhof von Bartlings), heute bebaut durch die Häuserreihen
                         in der Straße "Sonnenbrink", war eines Vormittags in diesen Tagen übersät mit lauter
                         kleinen ca. 50 cm-Trichtern, die wahrscheinlich von der Bordmunition von amerikanischen
                         Jagdflugzeugen herrührten.

                     -   Um einen Eindruck von der Zerstörungskraft der amerikanischen Granaten zu geben,
                         folgt hier ein Bild, in dem mit weisser Farbe ein Granattrichter eingezeichnet ist,
                         den man damals an der heutigen Straße "An der Hirschkuppe" besichtigen konnte,
                         von der B 238 kommend auf der rechten Seite unten zwischen den damals noch
                         nicht vorhanden zwei Wohnhäusern(das damalige Ackerland gehörte dem Steinberger
                         Zimmermeister Holstein):

                         
                      Der eingezeichnete Granattrichter hatte einen Durchmesser von 5 - 6 m und war ca. 3 m tief!

       
                     -   es gab viel Angst damals

                     -   in manchen Dörfern, wie z.B. in Welsede, wurden von den amerikanischen
                         Soldaten Frauen vergewaltigt. Dasselbe geschah auch später noch durch
                         britische Soldaten und befreite Fremdarbeiter z.B. in Mittelbrink, Pollhagen ... 
                         Diese Angaben stammen aus sicherer Quelle, z.T. von unmittelbar Betroffenen.
                         Aus Steinbergen ist dem Verfasser kein Fall bekannt; es kann aber sein, daß es
                         auch hier vorgekommen ist, denn die betreffenden Frauen verheimlichten meist
                         diese Vorfälle.

                         Aus
zuverlässiger
Quelle hat der Verfasser mündlich erfahren, daß in Ahlshausen,
                         einem Dorf in der Nähe von Einbeck in Südniedersachsen im Sommer 1945
                         Vergewaltigungen durch britische Besatzungssoldaten vorgekommen sind: 
                         Einen besonders brutalen vielfachen britischen Vergewaltiger, der Frauen nebenbei
                         auch noch sadistisch gequält hatte, töteten drei kräftige Männer aus dem betreffenden
                         Dorf heimlich, als er wieder Jagd auf junge Frauen machte, und liessen seine Leiche
                         auf Nimmerwiedersehen verschwinden:  sie verbrannten seine Leiche im Backhaus
                         des Bauernhauses. Damals hatten nämlich viele ländliche Anwesen noch ausserhalb
                         des Hauses  -   z. B. im großen Gemüsegarten  -  ein  separates Back-Häuschen mit
                         Giebeldach zum Brotbacken, was eben alle 14 Tage zur Selbstversorgung geschah.

                         Die britische Besatzungsmacht konnte das Verschwinden des Soldaten -  trotz
                         intensiver Verhöre der Männer des Dorfes im Besatzungszentrum in Bad Gandersheim
                         -  nie aufklären. Es wurde im Dorf natürlich viel getuschelt über diesen Fall.
                         Aber es gab natürlich nur ganz wenige Mittwisser!
                        
Bei Entdeckung wären die Männer übrigens bereit gewesen, sich zu erschiessen,    
                         denn versteckte Waffen hatten sie noch aus ihrer Zeit als Wehrmachtssoldaten!
                         Die drei Mörder sind natürlich heute alle verstorben und können nicht mehr zur
                         Verantwortung gezogen werden.
                        
                         Von einem Vergewaltigungsversuch im Schaumburger Wald 1945 (klicken!)
                         durch einen britischen Offizier wurde mir von einer heute 86-jährigen Frau aus
                         Pollhagen berichtet. Wahrscheinlich sind auch in Steinbergen und in anderen Dörfern
                         im Rintelner Raum Vergewaltigungen durch amerikanische und britische Soldaten
                         vorgekommen. Die betroffenen jungen Mädchen und Frauen sprachen aus Scham
                         nicht darüber!
                    

                     -   Der Gasthof zur Linde und Steinmeiers Bauerhof, brannten wegen
                         Treffer von Brandbomben ab. Nonnenbergs Haus in der Beekebreite,
                         Miedes Haus in der Lindenstraße(links neben dem Kino "Metropol")
                         und Ferdinand Gottschalks Bauernhaus in der heutigen Steinberger Bachstr.,
                         wurden durch Volltreffer zerstört. In der "Linde" verbrannten große
                         Mengen von dort gelagerten Akten, die in die Luft gewirbelt als schwarzer
                         Niederschlag bis in die oberen Viertel von Steinbergen verstreut wurden.

                     -   Der Steinberger Kirchturm erhielt einen Volltreffer, der den dort sitzenden
                         deutschen Gefechtsbeobachter tötete.

                     -   An einem hellen Apriltag, dem 11. 4. 1945, sah man dann amerikanische
                         Soldaten an der heutigen Rintelner Straße in Steinbergen in geduckter
                         Haltung mit der Maschinenpistole im Anschlag um die Häuser schleichen.

                     -   Schwere Kämpfe im Arensburger Paß und auf der Hirschkuppe
                         (Mann-gegen-Mann-Kämpfe). Noch Jahre später sah man auf der
                         Hirschkuppe Schützengräben und fand Stahlhelme, die ein Einschußloch
                         hatten.

                     -   Am 2.9.2008 teilte mir ein Bekannter, der während seiner Schulzeit in Steinbergen
                         lebte, in einer E-Mail über seine Kriegserlebnisse in Steinbergen im April 1945
                         folgendes mit:

                         "
Nachdem wir wegen der Beschlagnahme von Krömers Hotel durch
                               Einheiten des britischen (Royal Army Signals Corps) RASC-Kommando, die
                               1945 Steinbergen besetzten, unsere im Hotel seit 1943 (bei Gustav
                               Kleinschmidt sen.) angemieteten Hotelräume aufgeben mußten, wohnten
                               wir von 1945 - 1954 im Steinberger Unterdorf. Mein Vater war
                               während des Kriegs mit den Focke-Wulf-Werken aus Bremen
                               nach Bad Eilsen gekommen, und hatte uns nach Verlust ("ausgebombt")
                               unserer Wohnung in Bremen nach Steinbergen nachkommen lassen. Während
                               der Kämpfe am Arensburger-Pass April 1945
haben meine Familie mit den
                               anderen Bewohnern aus Krömers Hotel und einigen Steinbergenern mehrere
                               Tage im sog. Loren-Tunnel des Schaumburger (Schmitt'schen) Steinbruchs *
                               verbracht
, bis fliegende Artilleriebeobachter der Amis, die von Bad
                               Eilsen entlang der B238 ** anrückten, uns entdeckten. Eine amerikanische
                               Kampfgruppe stöberte uns anschließend auf und ließ uns als Gefangene
                               nach Ahnsen (in ein provisorisches Hauptquartier) zu Verhören abführen:
                               Fußmarsch unter Bewachung, Hände auf dem Kopf. Erst nach einem Tag
                               durften wir zurück nach Steinbergen."

                               Anmerkungungen:     * gemeint ist der Steinbruch im Messingberg, der
                                                                 Direktor der Steinbruchgesellschaft SSS("Schaumburger
                                                                 Steinbrüche Steinbergen") hieß Schmidt  
                                                             ** es muß B83 heißen
!
                   
                   
                     -   Wie aus verschiedenen Vorfällen in Steinbergen bekannt,
                         stahlen die
Amis auch, was ihnen wertvoll erschien.
                        
Sie stahlen z. B. bei der Familie Harmening in deren Pensionshaus
                         "Waldesruh" eine Schreibmaschine. Sie stahlen oft Fotoapparate
                         und manche amerikanischen Soldaten sah man mit einem halben
                         Dutzend den Deutschen gestohlene Armbanduhren am Arm
                         herumstolzieren!
                         (es waren eben nicht immer nur deutsche und russische Soldaten,
                         die Schandtaten begingen
!)                       
                       

                    
-   Ab 1944 Einquartierung von Ausgebombten und später, nach Kriegsende,
                         von Flüchtlingen für lange Jahre nach dem Krieg in Steinberger Häusern.

                     -   Kinderspiele mit Kriegsmaterial:
                         Nach den Kämpfen lagen noch mehrere Wochen im Wald bei der Arensburg
                         gleich hinter Krömers Hotel Haufen von Granaten und andere Munition herum.
                         Die Granaten wurden von Kindern geöffnet, um daraus ca. 30 cm lange
                         Pulverstangen zu entnehmen. Das waren die begehrten "Furzer". Man zündete
                         sie an, legte sie auf die Erde, hielt kurz den Fuß auf das glimmende Ende,
                         ließ los und sie furzten raketengleich unter Zurücklassung eines interessanten
                         Geruchs durch die Luft davon. Ein kleiner Junge, ein gewisser Heinz D. aus
                         dem Steinberger Oberdorf, machte den Fehler, eine Handvoll zerbrochener
                         Pulverstangen in eine Flasche zu stecken, ein brennendes Streichholz dazu
                         zu tun und die Flasche zu verschliessen. Das bekam ihm schlecht, denn die
                         Flasche explodierte in seiner Nähe und Glassplitter flogen ihm ins Gesicht.
                         Er trug daher einige "Schmisse" an Kinn und Backe davon. Die Augen waren
                         verschont. Er wurde später Frisör("Putzer") und lebte nicht lange, der arme Kerl.   -  
                         Hinter der großen grauen langgestreckten Wagenremise von Wolbrechts Hotel
                         an der großen Steinberger Straßenkreuzung, wo auf der rechten Seite der B 238
                         der Waldweg zur Hirschkuppe beginnt, stand lange Zeit ein großer oben offener
                         gepanzerter Mannschaftswagen der deutschen Wehrmacht, in dem die Kinder
                         spielten und schließlich auch interessante Armaturenteile, rote Warnlämpchen
                         usw. abschraubten.  

                     -   Nach den Kämpfen beschlagnahmten die Amerikaner viele Häuser in
                         Steinbergen und natürlich auch die Hotels zur Einquartierung ihrer Truppen.
                         Die hinausgeworfenen Deutschen mußten sehen, wo sie blieben. Nach einigen
                         Wochen zogen die Amerikaner ab und englische Soldaten übernahmen die Häuser. 
                         Auch die Steinberger Schule und Turnhalle wurden für Monate beschlagnahmt.
                         Die Kinder wurden im sogenannten Konfirmandensaal, ein Anbau des
                         Steinberger Pfarrhauses, unterrichtet und zwar alle Jahrgänge zusammen in
                         dem einzigen Saal. 

                     -   Am Ortsausgang von Steinbergen in Richtung Rinteln befand sich links von
                         der B 238
und ca. 30 m von dieser entfernt die ehemalige damals schon
                         stillgelegte Sandgrube von Möller. Um 1960 herum wurde die Grube zuge-
                         schüttet. Heute stehen darauf einige Häuser der privaten "Rinne-Straße"
                         und die Straße selbst
.
                         Dieses circa acht Meter tiefe L-förmige große Loch im Ackerland mit
                         einem ca. 30 m langem Zufahrtsweg von der B 238 diente im vorderen
                         Teil als Steinberger "Schuttkuhle", in die die Dorfbewohner ihren Müll
                         und Sperrmüll kippten, im hinteren Teil war die Grube mit Gras bewachsen.
                         Dort spielten die Kinder des Oberdorfs oft Fußball in den Kriegs- und
                         Nachkriegsjahren
. Auch als Schlittenbahn dienten im Winter manchmal
                         die Grubenabhänge. In der Besatzungszeit der Engländer, kamen regelmäßig
                         britische LKW aus Bad Eilsen und kippten ihren Besatzungsmüll in die Grube.
                         Das waren willkommene Ereignisse für Kinder und erwachsene Müllsammler.
                         Der Müll wurde durchwühlt: Man fand oft etwas noch Brauchbares: Papier,
                         Aluminiumdosen, manchmal Zeltbahnen usw. Begehrt waren auch Zigaretten-
                         Kippen, deren Tabak von manchen gesammelt wurde als Pfeifentabak oder
                         für selbstgedrehte Zigaretten.

                      -  Bis in die 1950-er Jahre war es im Dorf üblich, daß die Kinder am Martinstag,
                         dem 11. November, jedes Jahr abends durch das Dorf zogen, um das traditionelle
                         Martinslied vor den Häusern zu singen, sie erwarteten dann Geschenke: Äpfel,
                         Birnen, Nüsse!

Das Martinslied ging so:                        

"Martinsohmd, wat is vanohmd, öt klingelt up'er Büsse.
Ehefru, Ehefru, laat üs nich too lange stoahn,
wëi mötet noch nar Köllen joahn.
Köllen iss'en wëijer Wech, da küümt wëi nich mehr hin.              (das "ei" wird getrennt ausgesprochen!)
Silwer links, Silwer rechts, schön ist die Frau."

Also: "Martinsabend, was ist heute Abend,
es klingelt in der Büchse.
Ehefrau, Ehefrau, laß uns nicht zu lange stehen.
Wir müssen noch nach Köln gehen.
Köln ist ein weiter Weg, da kommen wir nbicht mehr hin!
Silber links, Silber rechts, schön ist die Frau."

Wurde nicht aufgemacht  = nichts gegeben, so wurde die folgende
Schmähstrophe gesungen:

"Schwarter Twern, witter Twern,
oule Hexe jift nich jern!"   (Twern = Zwirn = stabiler Nähfaden)

"Schwarzer Zwirn, weißer Zwirn,
alte Hexe gibt nicht gern!"

Bemerkungen dazu:

"Martinsabend, was ist heute Abend, es klingelt in der Büchse.. ":
Also wurde in früheren Zeiten mit einer Sammelbüchse Geld gesammelt,
wahrscheinlich für die Dorfarmen.
In neueren Zeiten sammelten die Dorfkinder hingegen nur noch
mit einem
Beutel die Äpfel, Birnen, Nüsse ....

Angesprochen wurde die Ehefrau, auf so etwas zu reagieren,
war also Frauensache.

"Laß uns nicht zu lange stehn, wir müssen noch nach Köln gehen".
Das war natürlich unmöglich, aber es sollte Druck gemacht werden,
denn  die Kinder wollten ja noch im ganzen Dorf herumziehen.
Realistischerweise wurde das Noch-nach-Köln-gehen-müssen
aber sogleich wieder zurückgenommen: "Köln ist ein weiter Weg,
da kommen wir nicht mehr hin."

Bemerkenswert dabei ist, daß nicht ins nähere erzkatholische Paderborn oder
Osnabrück gegangen werden sollte, sondern dann doch lieber gleich bis
zu den Reliquien der heiligen drei Könige
nach Köln.

Das Lied ist daher auch mit Sicherheit schon aus vorreformatorischer Zeit,
als man im Weserraum noch gut katholisch war, wurde aber selbst im 20. Jahr-
hundert immer noch mit der alten Ausdrucksweise gesungen.

Auch in Steinbergen zeigte sich klar die Spur der Lutherischen in
einer Abkehr von der Tradition des barmherzigen Heiligen Martin

und in einer geradezu hinterhältigen historisch ungetreuen Umdeutung
des Brauchs, und zwar zur Huldigung für den aufsässigen Umstürzler,
Kirchenspalter und Judenhasser Martin Luther. Daher schicken manche
Leute ihre nichtsahnenden Kinder schon am 10.11. zum Martinsabendsingen,
weil der 10.11. eben Geburtstag des schnöden Fanatikers Luther ist
.
 
Man kann doch nicht guten Gewissens die Geschichte des barmherzigen Martin,
der einem frierenden Bettler die Hälfte seines Mantels gab, umdeuten
zu einer Huldigung für Martin Luther, der am 10. 11. Geburtstag hatte!

In Steinbergen wurden von einer frömmlerischen lutherischen Pastorentochter aus dem
Warthegau, ihre fünf Kinder immer schon am 10.11. zum Martinssingen geschickt, sodaß sich
mittlerweile dieser Brauch des um einen Tag verfrühten Singens auch bei anderen Kindern
eingebürgert hat. Diese Mutter besaß die Impertinenz, sich auch noch darüber zu beklagen,
daß eine frühere Supermarktsbetreiberin, nämlich Frau Schau, geborene Bokeloh, die Kinder
am 10.11. mit den Worten zurückwies: "Nun wollen wir hier aber mal keine neuen Sitten einführen.
Morgen, am 11. November, ist Martinsabend!"

Im Wesertal und im Südhannoverschen jedenfall galt nur der Tag von St. Martin,
also der 11. November, als Martinstag! Und so steht es auch noch immer in Kalendern
von gebildeten und redlichen Kalendermachern.

Heute scheint der alte plattdeutsche Text weitgehend vergessen zu sein.
In den Dörfern gibt es leider kaum noch Menschen, welche die plattdeutsche
Sprache sprechen.
Die heute von den Kindern gesungenen Lieder  -  soweit sie überhaupt noch
am Martinsabend singend umherziehen  -  sind meist ohne Tradition,
was schade ist.

Heute gibt es auch in Steinbergen Eltern, die ihre Kinder amerikanisieren
und sie am 31. Oktober, dem kommerzialisierten USA-Tag des "Halloween"
losschicken. Die deutsche Amerikanisierung nimmt also allmählich umfassende Formen an!
Diesen landfremden Quatsch aber sollten wir besser nicht mitmachen!

                      -  Da in der unmittelbaren Nachkriegszeit überall leere Benzinkanister im Wald
                         und an Straßen herumlagen, bauten sich die Dorfkinder Flösse aus zusammen-
                         gebunden Benzinkanistern
und schipperten mit denen auf dem Teich beim
                         großen Autobahnviadukt herum:

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                                                    Teich unter der Autobahnbrücke                    
17.4.2011

           
Während des Krieges und einige Zeit danach lebten in Steinbergen, im Haus Barein
            zwei kinderfreundliche junge Frauen aus Bremen, blond, schlank und attraktiv.
            Sie waren in Bad Eilsen bei den aus Bremen wegen des anglo-amerikanischen
            Bombenkrieges ausgelagerten Flugzeugwerken Focke-Wulf beschäftigt. Kurz
            nach dem großen Krieg  -  an einem hellen Hochsommertag, es mag 1946 gewesen
            sein  -  stürzte sich eine von der beiden jungen Frauen vom hohen Autobahnviadukt
            in den Tod. Es geschah vielleicht wegen einer unglücklichen Liebesbeziehung.
            Alle waren erschüttert und Dorfkinder liefen noch Tage später voll Grauen zum
            Unglücksort, um dort nach Blut zu sehen.
 
            Meine Berichtsperson, damals ein etwa 10-jähriger Schüler, war an dem
            schönen Sommertag zum Baden in der gegenüber der Autobahnbrücke
            befindlichen Steinberger Badeanstalt(Freibad) und wurde Zeuge des Freitods:

            Er teilte mir per Email am 4.9.2008 folgendes mit:
            "
Mein alter Herr [damals ebenfalls bei Focke-Wulf beschäftigt] wird sie [die beiden Frauen]
               gekannt haben, an den Freitod der einen von ihnen erinnere ich mich noch ziemlich lebhaft,
               weil ich ihn von der Badeanstalt aus
quasi miterlebte, d.h. ich habe die Frau auf der
               breiten steinernen Brüstung hoch auf dem Autobahnviadukt stehen sehen, mich sehr
               gewundert, Spielkameraden aufmerksam machen wollen
,wonach sie beim erneuten
            Blick verschwunden war. Beim Nachhauseweg durch den Arensburger Park kriegten
            wir noch den Abtransport mit, und die zerborstenen Erlensträucher waren den ganzen
            Sommer lang grausliche Erinnerung. Ich glaube mich auch zu erinnern, daß wenig später
            oben auf der Brüstung ein Kreuz mit Datum
in den rötlichen Deckstein eingemeißelt wurde."

                                Das Autobahnviadukt lag nach der kurz vor
                                Kriegsende erfolgten Sprengung im Bereich
                                des Teiches noch in Trümmern und oben
                                fuhren deshalb damals keine Autos. Daher
                                war auch die Absprungstelle oben auf der Brücke
                                für die unglückliche Frau leicht zugänglich:

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                               Todesstelle(rechts): Von der Autobahnbrücke in den Tod     17.4.2011
  
        
                              
                     -   Das Berghotel, das 1964 abgerissene große "Wolbrechts Hotel" an der großen
                         Steinberger Straßenkreuzung von B 238 und B 83, Krömers Hotel ebendort,
                         die Villa des Volksschullehrers Spier(= das ehemalige "Haus Erholung"), das
                         repräsentative "Bremer Berghaus" wurden auf Jahre hinaus zuerst von den
                         Amerikanern und dann von den Engländern beschlagnahmt.

                     -   Besonderen Anstrengungen waren die Frauen während der Kriegsjahre und
                         unmittelbaren Nachkriegsjahre unterworfen
: elektrische Waschmaschinen gab
                         es nicht. Die Wäsche mußte von Hand gewaschen werden in einem Kochkessel
                         auf dem Küchenherd oder in einem besonderen Kesselofen mit Holz- und
                         Kohlenbefeuerung in der Waschküche. Die Wäsche wurde im Winter vielfach
                         über dem Küchenherd auf einem dort angebrachten fächerartig ausbreitbaren
                         Gestell  zum Trocknen aufgehängt. Bei trockenem Wetter wurde die Wäsche
                         draußen auf Wäscheleinen aufgehängt. Bei Frost schaukelten dann die steif-
                         gefrorenen langen Unterhosen usw. im Wind
. Später wurden sie dann in die
                         Küche geholt zur restlichen Trocknung.

                         Elektrische Haushaltsgeräte außer Radio,
                         vielleicht noch höchstens einem elekrischen Plätteisen gab es nicht.
                         Die Plätteisen wurden meist mit einem dicken Metallpfropf gefüllt,
                         der in der Glut des Küchenherdes erhitzt wurde, bis er rotglühend war.

                         Auch in der Landwirtschaft gab es Schwerarbeit für Frauen. Man erinnert sich
                         in Steinbergen z. B. noch an die beiden kräftigen Frauen vom Rinnehof aus dem
                         Unterdorf, mit Stiefeln und vielleicht Kopftüchern(ihre Männer waren wohl noch
                         in Kriegsgefangenschaft!), die man auf ihrem hügeligen heute bebauten Acker
                         parallel zur B 238 nach Rinteln und zur heutigen privaten "Rinnestrasse" am
                         Fuchsort mit einem Doppelgespann von Kühen den Acker pflügen sah.
                         Die eine führte vorne die beiden Kühe und die andere drückte hinten den Pflug
                         in den schweren Ackerboden.
                         Solche schweren körperlichen Arbeiten kennen die Frauen von heute nicht!                     

                     -  Nach dem Krieg wohnte in Steinbergen auch ein Mitglied eines berüchtigten
                        Hamburger sog. Reserve-Polizeibataillons, das hier bei seiner in Hamburg
                        ausgebombten Familie Unterschlupf gefunden hatte. Diese furchtbare Polizei-
                        Einheit hatte in Polen die massenhafte Erschießung von jüdischer Bevölkerung
                        in den Dörfern vorgenommen(s. das Buch des Historikers Christopher R. Browning:
                        Ganz normale Männer -  Das Reserve-Polizeibataillon 101 und die "Endlösung"
                        in Polen, Verlag Rowohlt, Hamburg, 1993/97). Der schmächtige Mann,
                        ein gewisser Herr D., der jetzt sicher schon jahrelang verstorben ist, machte
                        in Steinbergen einen ausnehmend stillen und bescheidenen Eindruck.


                                         Ein halbes Dutzend im Fuchsort verscharrte Russen

                        
Diese waren im Februar 1945 bei kaltem aber schneefreiem Wetter aus Richtung
                         Rinteln kommend mit ihrer Wachmannschaft nach Osten, also auch durch Stein-
                         bergen, unterwegs. Am Nachmittag machten sie, vielleicht 60 - 70 russische
                         Gefangene im Wald beim Fuchsort Halt und lagerten dort total erschöpft und fast
                         verhungert gleich vorn an der Straße unter den hohen Fichten. Unter Bewachung
                         kam einer in das Steinberger Wohnviertel bei der Hirschkuppe, um ein paar Steck-
                         rüben als Nahrung zu erbetteln. Er bekam dann einen Kartoffelkorb voll Steckrüben.

                         In der folgenden Nacht war etwa ein halbes Dutzend der russischen Kriegs-
                         gefangenen vor Erschöpfung oder Hungers gestorben. Sie wurden am Morgen
                         unter den Waldbäumen verscharrt.

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                               Unter diesen Bäumen an der alten Straße B 238 im Fuchsort wurden die  

                                       in der Nacht gestorbenen russischen Kriegsgefangenen verscharrt! 31.1.08 

                                                    Man kommt an dieser Stelle vorbei, wenn man den neuen Spazierweg
                               vom Steinberger Ortsausgangsschild zwischen der B 238 und den Rinne-
                               Häusern in Richtung der Grafensteinerhöh geht(im Wald dann ca. 30 m links).

                               Ca. 1960 mußten die Leichen ausgegraben werden und kamen wahrscheinlich
                               auf den "Russenfriedhof am Horn" oberhalb von Rehren A.O.

                                       Bitte etwas Geduld.
                                       Im Fuchsort: heutiger Blick von Lagerstatt und Todesort   
                                                der russischen Kriegsgefangenen in die Schlucht  
31.1.08


                                   Die Wachmannschaften waren schuldlos an diesem Elend der
                              armen russischen Männer, denen völkerrechtswidriges Unrecht
                              geschah. Schuld war die politische Führung Deutschlands.
                              Soll man sagen "die Nazischweine"? Und natürlich die deutschen
                              Wähler, die auf Rattenfänger wie Hitler und Konsorten
                              hereingefallen waren. Die Menschen fallen immer wieder auf
                              Politiker herein, die entweder gut reden können oder sympathisch
                              aussehen oder die von den Medien hochgejubelt werden,
                              und die Menschen achten zu wenig darauf, was die Politiker sagen
                              und vor allem, auf das, was sie tun. Das ist auch der Grund dafür,
                              daß manche heutige Politiker/innen so beliebt sind bzw. waren.
                              Das Irrationale überwiegt/
überwog oft das Rationale und das Aufklärerische.
                              Das ist nicht nur bei uns Deutschen so, sondern auch in anderen
                              Ländern, man kann es z.B. gerade wieder in Frankreich beobachten,
                              wo die Franzosen einen Lebemann und irgendwie Schaumschläger
                              gewählt haben, von dem sie sich jetzt zunehmend abwenden.
                              Der Vorgänger unserer jetzigen Bundeskanzlerin ist ein ähnlicher
                              Fall, der äußerlich eine gute Figur machte, aber nur die Wirtschafts-
                              bosse gut bediente und kein Herz für die breite Masse, die kleinen Leute,
                              hatte, von denen er selbst abstammte, dieser Blender und Opportunist,
                              auf den eine leichtgläubige Mehrheit von Wählern mehrmals hereinviel.

                              Es ist natürlich zurückzuweisen, daß bestimmte Ausländer immer noch
                              die heutigen Deutschen, die damals noch Kinder oder noch garnicht
                              geboren waren, für die Schandtaten der Nazis verantwortlich machen.                             
                              Wir Heutigen haben keine Schuld an dem, was geschah.
                              Aus hannoverschen Schulen wird z.B. berichtet, daß türkische Kinder
                              Deutsche mit dem Wort "Nazi" beschimpfen(neben "Schweinefleisch-
                              fresser" und "Scheißdeutscher" ein beliebtes Schimpfwort). Fragt man
                              sie, woher sie diese Schimpfwörter haben, so antworten sie z.B
                              "Von meinem Opa"(Türke). So sollte sich einmal ein Deutscher in der
                              Türkei benehmen! Dem erginge es dort aber sehr, sehr schlecht.

                              Wie steht es übrigens mit anderen Völker und Kriegsschuld?
                              Hat z.B. das so sehr geschundene Vietnam von den Amerikanern,
                              die das Land mit einem völkerrechtswidrigen Krieg überzogen,
                              eine nennenswerte Wiedergutmachung erhalten? Nein!


In den 1950-er Jahren nahm auch Steinbergen am politischen, sozialen und wirtschaftlichen
Aufschwung teil. Die Pensionen und Hotels wurden von der britischen Besatzungsmacht nach
und nach wieder freigegeben. Die Pensionshäuser wurden wieder frei, denn die einquartierten
Flüchtlinge kamen in neugebauten Häusern unter oder zogen fort in Großstädte, wo es Arbeit
für sie gab. Es folgte ein Jahrzehnt mit realtiv großem Fremdenverkehr für den
"LUFTKURORT STEINBERGEN"
, denn es gab genügend Urlauber aus dem Ruhrgebiet,
aus Bremen, Hamburg und Berlin, die gerne in Steinbergen ihren Sommerurlaub verbrachten.
Viele kamen öfter und hatten sich schon brieflich eine Unterkunft reservieren lassen.
Unangemeldete Sommerurlauber wurden vom "Verkehrsdirektor", dem ehemaligen Steinberger
Schullehrer, nämlich dem dicken bebrillten Herrn Lorenz, freundlich in seiner weißgelben
Fremdenverkehrsbürobude rechts vom Steinberger Bahnhofsgebäude empfangen und
in freien Steinberger Fremdenzimmern untergebracht. Das waren große Jahre für Steinbergen!

Ab 1960 dann folgte wegen der privaten Motorisierung und des Aufkommens
von Auslandsreisen der Niedergang Steinbergens als Fremdenverkehrsort:


Die aufkommenden preiswerten Pauschalreisen in die Alpen und nach Italien und Spanien durch
Reiseunternehmen wie Scharnow, Touropa und Hummel sowie die beginnende private Motorisierung
beendeten die Fremdenverkehrsphase Steinbergens. Der "Luftkurort Steinbergen" ging unter
durch den Verkehr, die rege private Bautätigkeit auf ehemals landwirtschaftlichen Flächen und
die nachfolgende landschaftliche Verhunzung durch klotzigen Straßenbau und gnadenlosen Bergabbau.
Wie der verdiente einsichtsvolle Landschafts- und Umweltschützer Herr Thielemann aus dem Stadthäger
Raum ganz richtig meinte "S
teinbergen ging den Bach runter"! Selbst die Bauernhöfe verschwanden,
bis auf einen!


                                                                                                                             31.Januar 2008
                                                                                                                             (ergänzt 29.2.08, 22./25./28.3.08,
                                                                                                                              25.5.08, 16.8.09, 28/29.3.10,
                                                                                                                              17.4.11, 17.10.11, 22.3.13,
                                                                                                                              30.11.14, 19.12.14, 8/9.1.16
                                                                                                                              19.2.16, 14.8.16, 20.9.16
                                                                                                                              22.7.2017)

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